Nicht krank – und trotzdem ansteckend?

Am 24. Januar 2020 erkrankte ein Mitarbeiter der Firma Webasto mit Halsschmerzen, Schüttelfrost und Muskelschmerzen. Am folgenden Tag bekam er Husten und Fieber mit 39,1°C. Am Abend des nächsten Tages fühlte er sich besser und ging am 27. Januar wieder zur Arbeit.

Wie sich wenig später herausstellte, war er der erste Deutsche mit COVID-19.

Vor dem Auftreten der Symptome hatte er am 20. und 21. Januar an Firmen-Meetings mit einer chinesischen Kollegin teilgenommen. Die Chinesin, die selber auch erkrankt war, wurde nach ihrer Rückkehr positiv auf das neuartige Corona-Virus getestet, woraufhin der deutsche Firmensitz informiert wurde und der dort erkrankte Mitarbeiter ebenfalls getestet wurde – mit dem bekannten Ergebnis.

Befragungen von Webasto-Mitarbeitern ergaben, dass die Chinesin während ihres Besuchs einen normalen und gesunden Eindruck gemacht habe. Diese Information floss ein in einen medizinischen Bericht, der sofort in Fachkreisen veröffentlicht wurde.

Deutschland hatte damit nicht nur seinen ersten „Corona-Patienten“, sondern die Fachwelt hatte auch einen scheinbar eindeutig dokumentierten Fall von Ansteckung durch eine symptomfrei infizierte Person.

Normalerweise gilt: Wer krank ist bleibt zuhause, um sich auszukurieren. Wenn trotzdem jemand mit Husten und Schnupfen als Virenschleuder unterwegs ist, dann hält man sich so gut wie möglich von dem fern, um sich nicht anzustecken. Hingegen wäre eine symptomlos ansteckende Person eine Bedrohung für die Gesundheit aller, die umso größer ist, weil man die Gefährdung nicht erkennen kann. Auf dieser Bedrohung – und dem daraus abgeleiteten Generalverdacht – beruhen sämtliche Maßnahmen, die wegen “Corona” eingeführt wurden: von Abstands- und Hygieneregeln über die Maskenpflicht bis hin zum Lockdown und dem faktischen Berufsverbot für alle, die ein Publikum in geschlossenen Räumen brauchen.

Der Haken an der Sache ist nur: Die chinesische Webasto-Mitarbeiterin war gar nicht symptomfrei. Sie hatte auf ihre Umgebung nur so gewirkt, weil sie Tabletten genommen hatte, um die Meetings durchzustehen. Einem später erfolgten Telefonat gemäß hatte sie sich müde gefühlt, unter Muskelschmerzen gelitten und ein schmerzstillendes und fiebersenkendes Medikament genommen (1). Die Symptome mögen nicht allzu schwer gewesen sein, aber die Frau war jedenfalls nicht symtomfrei. Auch wichtig: Die von ihr angesteckten Webasto-Mitarbeiter hatten ebenfalls nur kurze und relativ leichte Krankheitsverläufe.

Trotzdem hält sich die Angst vor der „symptomlosen Übertragung“ seither hartnäckig – mit den bekannten Folgen. Ich behaupte nicht, dass eine Ansteckung kurz vor Symptombeginn unmöglich ist – sie ist nur sehr, sehr unwahrscheinlich. Der Schweitzer Immunologe Beda M. Stadler sieht das so:

Der nächste Witz, den gewisse Virologen verbreitet haben, war die Behauptung, dass diese symptomlos Kranken trotzdem andere Menschen anstecken könnten. Diese „gesunden“ Kranken würden im Rachenraum so viele Viren beherbergen, dass bei einer normalen Unterhaltung zwischen zwei Menschen der eine „Gesunde“ den anderen Gesunden anstecke. Nun muss man sich vergegenwärtigen, was da alles abläuft. Falls sich irgendwo im Körper, eben auch im Rachen, Viren bilden, heißt das, dass menschliche Zellen zugrunde gehen. Wenn Zellen sterben, wird sogleich das Immunsystem alarmiert, und es entsteht eine Entzündung. Eines der fünf Kardinalsymptome einer Entzündung ist der Schmerz. Es ist verständlich, dass leidende Covid-19-Patienten sich nicht mehr an das anfängliche Kratzen im Hals erinnern können und dann allenfalls behaupten, sie hätten vor ein paar Tagen noch keine Symptome gehabt. Daraus als Arzt oder Virologe eine Story von „gesunden“ Kranken zu machen, die Panik verursacht und oft ein Grund war für strengere Lockdown-Massnahmen, zeigt, wie schlecht der Witz in Wirklichkeit war. Wenigstens hat die WHO die Behauptung der asymptomatischen Ansteckung nicht übernommen und zweifelt diese Behauptung sogar auf ihrer Webpage an.

https://www.achgut.com/artikel/corona_aufarbeitung_warum_alle_falsch_lagen

Trotzdem hält sich der Glaube an die symptomlose Ansteckung hartnäckig. Er wurde aktuell wieder angefacht durch einen Artikel in der New York Times, der die Webasto-Geschichte ausgegraben hat; andere Zeitungen haben dessen Narrativ übernommen bis hin zu meiner regionalen Tageszeitung, die heute ein Interview brachte mit der Ärztin, die den ursprünglichen Bericht über die angeblich symptomfreie Übertragung verfasst hat (2).

Dieser Glaube wird verstärkt durch das Verfahren, mit dem die Corona-Fälle ermittelt werden: Der von Professor Drosten erstellte PCR-Test. Eine Eigenschaft dieses Tests ist, dass er zwar sehr genau Gensequenzen von Viren detektieren kann, aber nicht unterscheidet, ob die gefundenen Gene von aktiven (vermehrungsfähigen) Viren stammen, oder ob es sich um “totes” Genmaterial handelt nach erfolgreicher Abwehr durch das menschliche Immunsystem.

Macht man also bei einem immunen Menschen einen PCR-Corona-Test, wird ja kein Virus detektiert, sondern nur ein kleines Stück des viralen Genoms. Der Test wird so lange positiv sein, bis keine Trümmer des Virus mehr vorhanden sind. Richtig, auch wenn längst keine infektiösen Viren mehr vorhanden sind, kann ein Corona-Test also noch positiv ausfallen, weil durch die PCR-Methode selbst ein kleines Stück des viralen Genmaterials im Test genügend vervielfältigt wird. So geschehen, als aus Korea die Meldung rund um den Globus ging und von der WHO übernommen wurde, dass mehr als zweihundert Koreaner, die Covid-19 durchgemacht hatten, wieder angesteckt worden seien, dass also wahrscheinlich keine Immunität gegen dieses Virus entstehe. Die Erklärung des wahren Sachverhalts und die Entschuldigung kamen erst etwas später, als man feststellte, dass die immunen Koreaner alle kerngesund seien und nur einen kurzen Zweikampf mit dem Virus hatten. Der Haken war eben, dass die Virustrümmer mit dem allzu sensitiven Test noch erfasst wurden und das Signal „positiv“ auslösten. Wahrscheinlich beruhen bei uns eine Großzahl der täglich rapportierten Ansteckungen bloß auf solchen Virustrümmern.

https://www.achgut.com/artikel/corona_aufarbeitung_warum_alle_falsch_lagen

Es wird einfach angenommen, dass eine positiv getestete Person immer auch infiziert – und damit infektiös – sei, ohne Rücksicht auf den Zustand des gefundenen Genmaterials. Denn tatsächlich spricht der PCR-Test bei einem asymptomatischen Menschen, bei dem er überwiegend “totes” Genmaterial findet, ebenso an wie einem wirklich Kranken. Weil deshalb beide auch bezüglich der Ansteckungsgefahr in einen Topf geworfen, werden spricht der oben zitierte Immunologe Prof. Stadler bezüglich der Idee eines symptomlos und trotzdem ansteckenden Kranken von einem “Witz, den gewisse Virologen verbreitet haben”.

Corina meint, das sei ein schlechter Witz, wenn wir deswegen nicht auftreten dürfen. Ich stimme ihr zu und sehe die Gleichbehandlung von lediglich positiv Getesteten mit tatsächlich Erkrankten durch Politik, Medien und sogar in der Wissenschaft mit großer Sorge.


  1. https://www.sciencemag.org/news/2020/02/paper-non-symptomatic-patient-transmitting-coronavirus-wrong#
  1. https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Aerztin-Camilla-Rothe-machte-die-wahre-Corona-Gefahr-oeffentlich-und-wurde-ignoriert-id57796156.html

Grundkurs Immunologie

In Kapitel über Jens Spahn und seine Impfpläne wurde erwähnt, dass mindestens 80 Prozent der Corona-positiv Getesteten nicht oder nur leicht erkranken; diese Personen besitzen offenbar eine gewisse Immunität. Um zu verstehen, wie es bei einem “ganz neuen” Virus zu einer solchen Immunität kommen kann, braucht es einen Schnellkurs in Immunologie.

Bevor Viren in unsere Körperzellen eindringen können, müssen sie als Erstes an diese »andocken«. Dafür besitzen sie eine Art »Händchen«. Sind sie in eine Zelle eingedrungen, werden sie vermehrt und können danach Nachbarzellen befallen und sich ausbreiten.

Unsere Immunität gegen die Corona-Viren beruht auf zwei Säulen:

1) Antikörper,

2) spezialisierte Zellen unseres Immunsystems, die sogenannten Helfer-Lymphozyten + Killer-Lymphozyten.

Wir erinnern uns: Wenn sich ein neues Virus Zutritt in unseren Körper verschafft und eine Erkrankung auslöst, produziert unser Immunsystem Antikörper. Bei einer schweren Erkrankung viele, bei einer leichten wenige und bei einer symptomlosen Infektion wahrscheinlich fast gar keine Antikörper. Die produzierten Antikörper werden gegen sehr viele Stellen des Virus gebildet, aber nur die, die gegen die »Händchen« gerichtet sind, können schützend wirksam werden. Dann wird das »Andocken« der Viren an unseren Körperzellen verhindert (Schritt 1). Beim Test auf Antikörper werden verschiedene gefunden. Die reine Feststellung, ob Antikörper vorhanden sind, erlaubt primär keine Aussage über deren Wirksamkeit bzw. die Immunität eines Menschen. […]

Gelingt es Corona-Viren, in Zellen einzudringen, und kommt es zu deren Vermehrung, greift der zweite Arm des Immunsystems. Jetzt werden die Abwehrzellen aktiv. Die Virus-befallenen Zellen werden erkannt und durch Killer-Lymphozyten abgetötet, die Virusvermehrung findet nicht statt (Schritt 2).

Diese zweite Säule der Immunität gegen Corona-Viren ist allgemein so gut wie unbekannt. Ganz wichtig dabei: Sie ist weit verbreitet und wirksam in der Bevölkerung und kommt durch die ständige Auseinandersetzung unseres Immunsystems mit alltäglichen Corona-Viren zustande […].

Was ist Kreuzimmunität?

Diese Frage ist von sehr großer Bedeutung. Der Wandel von Corona-Viren vollzieht sich meistens in sehr kleinen Schritten. Schützende Antikörper und Lymphozyten gegen Typ A werden deswegen auch gegen den Nachkömmling Aa wirksam sein, wenngleich vielleicht in etwas geringerem Maße. Gegen Typ B hingegen könnten die Immunmechanismen unwirksam sein.

Kommt B zu Besuch vorbei, gibt es Husten und Schnupfen. Danach besteht Kreuzimmunität gegen den nächsten Verwandten Bb. Der Umfang der Kreuzimmunität baut sich bei Neuinfektionen also ständig aus.

Wer denkt nicht mit Unbehagen an das erste Jahr im Kindergarten zurück. Oh nein, im Winter jagt eine Erkältung mit Husten und Schnupfen die nächste – das Kind ist kaum je gesund! Aber zum Glück ist es im zweiten Jahr besser. Und im dritten Jahr kommt das Kind mit nur ein bis zwei Erkältungen durch den Winter. Bis zum Schulanfang besteht also schon eine gute Herdenimmunität gegen Corona-Viren. Was bedeutet das eigentlich?

Herdenimmunität bezeichnet den Schutz vor Erkrankung der Herde, also der Kinder bzw. der Allgemeinbevölkerung insgesamt. Herdenimmunität bei Viren, die sich wenig verändern wie bei Masern, kann als relativ absoluter Begriff verstanden werden. Immunität beruht hier fast ausschließlich auf Anwesenheit von Antikörpern, weil die »Händchen« des Virus immer gleich aussehen. Immunität ist dann gleichzusetzen mit »nicht empfänglich« bzw. »nicht infizierbar«. Die Situation ist schwarz-weiß: Symptomfreie oder symptomarme Infektionen gibt es [bei Masern] nicht.

Bei Corona-(und Grippe-)Viren ist Herdenimmunität nicht absolut. Denn das »Nichtkrankwerden« beruht nicht allein auf dem Verhindern der Infektion durch Antikörper, sondern zu einem wichtigen Teil auf dem Löschen des Brandes – also der Virusvermehrung nach dem Befall der ersten Zellen – durch die Lymphozyten. Immunität ist hier nicht gleichzusetzen mit »nicht infizierbar«, sondern mit gefeit sein gegen eine Erkrankung. Kommt eine neue Variante, die sich stärker verändert hat, reicht die Hintergrund-Herdenimmunität bei vielen Menschen dennoch aus, um schwere Erkrankungen zu verhindern. Nur wenige erkranken, dann teilweise recht schwer. Bei Menschen mit Vorerkrankungen kann das Virus der letzte Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Das erklärt, warum die meisten Coronavirus-Infizierten nicht oder nur leicht erkranken, und warum wir eine zweite Welle »katastrophalen Ausmaßes« mit diesem Virus nicht erleben werden. Das Virus verbleibt ja, wie seine alltäglichen Verwandten, in der Bevölkerung und wird immer wieder kleine Infektionsausbrüche verursachen. Die klassische Sommergrippe gehörte schon immer zur Spezialität der Coronaviren. Aber die Herdenimmunität wird stetig zunehmen. Dasselbe Virus kann also keine zweite Welle verursachen, die an »Heftigkeit« die erste übertrifft.

Quelle: “Corona Fehlalarm?” von Karina Reiss und Sucharit Bhakdi

https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/ID148546540.html

Corina meint, wenn die meisten ohnehin schon immun sind und keine zweite Welle kommt, dann kann man ruhig auch Auftritte machen. Ich sehe das ähnlich – schließlich haben wir uns bis vor einem halben Jahr auch nicht großartig darum gekümmert, ob wir uns beim Gig eine Influenza einfangen oder auf dem Weg dahin was passiert. Zumindest aber hätte man diesen Sommer nutzen können für Open-Air-Gigs ohne neumodische “Hygieneregeln”. So ähnlich sieht das übrigens auch der Virologe Prof. Hendrik Streeck:

„Wir sollten uns über den Sommer ein bisschen mehr Mut erlauben“, so Streeck.

Derzeit zeigten Studien, dass bis zu 81 Prozent der Infektionen asymptomatisch verliefen. Das heißt, die Infizierten haben keine oder kaum Symptome. „Die Zahl der Covid-19-Erkrankten auf den Intensivstationen ist derzeit rückläufig“, sagte Streeck. „Es besteht eine Chance, dass wir über den Sommer die Anzahl der Personen mit Teilimmunität erhöhen können.“ Die Hoffnung auf einen Impfstoff könne sich als trügerisch erweisen. Also solle man sich darauf einstellen, mit dem Virus zu leben.

Was wir sehen ist, dass auch Menschen mit asymptomatischen Verläufen eine Immunität oder Teilimmunität aufbauen“, erläuterte Streeck. „Wir wissen noch nicht, ob es eine schützende Immunität ist, aber sie bauen zumindest Antikörper gegen das Virus auf, und da kann man davon ausgehen, dass das zumindest einen Teilschutz ergibt. Wenn wir jetzt während der Sommermonate solche Infektionen zulassen, dann bauen wir eine schleichende Immunität in der Gesellschaft auf, die dann am Ende diejenigen schützt, die auch einen schwereren Verlauf haben können.“

https://ga.de/news/panorama/bonner-virologe-streeck-plaediert-fuer-mehr-mut-im-sommer_aid-51525095

Aber die anderen Länder! Italien, Spanien, USA…

Kaum jemand dürfte die schrecklichen Bilder vergessen haben, die im März aus der italienischen Stadt Bergamo gezeigt wurden. Stapelweise Särge wurden von Militärfahrzeugen abtransportiert, offenbar weil die lokalen Bestattungsunternehmen aufgrund der hohen Sterberate überfordert waren. Nicht zuletzt diese Bilder waren es dann auch, mit denen der Lockdown hierzulande gerechtfertigt wurde. Eine Situation, wie sie aus Italien, Spanien oder auch aus den USA mit Schwerpunkt New York berichtet wurde, sollte unbedingt vermieden werden.

Dieses Ziel wurde dann ja auch glücklicherweise erreicht. Es wurde sogar übererfüllt: Während in anderen Regionen die Patientenversorgung nicht mehr gewährleistet war und die Sterberate allein schon deshalb in die Höhe ging, blieben deutsche Intensivstationen in Erwartung des Corona-bedingten Ansturms überwiegend leer. Glück gehabt, möchte man sagen, oder: alles richtig gemacht!

Trotzdem muss man sich fragen, warum ein und das selbe Virus von Region zu Region so krass unterschiedliche Auswirkungen hat. Diese Unterschiede gibt es nicht nur im nationalen Vergleich, sondern innerhalb eines Landes auch zwischen einzelnen Regionen.

Vergleich Deutschland/Italien (1):

Regionaler Vergleich Lombardei/Latien (1):

Müsste man nicht erwarten, dass innerhalb Italiens die Bedingungen, die das Virus vorfindet, weitgehend gleich sind? Bevölkerungs- und Altersstruktur, Wohnsituation, Gesundheitssystem, Umwelteinflüsse sind Stichworte, die in diesem Zusammenhang manchmal genannt werden. Keines davon kann erklären, warum die Situation in der relativ beschaulichen Stadt Bergamo im vergleichsweise reichen Norden Italiens so viel schlimmer war als im Latien mit der Millionenstadt Rom.

Dieser Prof hier berichtet von einer Impfung gegen Meningitis, die im Januar 2020 im Raum Bergamo durchgeführt wurde. Dabei sei es unter Medizinern Drittsemesterwissen, dass diese Impfung gefährlich ist, wenn begleitende Infektionen vorhanden sind oder auftreten können. Hatte COVID-19 deshalb in Bergamo so viele schlimme Verläufe? Bei ca. 7:40:

In diesem Zusammenhang auch interessant: Einer holländischen Studie zufolge reduziert eine Influenza-Impfung zwar die Anzahl der Influenzavirusinfektionen, nicht jedoch die Gesamtzahl der Influenza-ähnlichen Krankheitsepisoden: Andere Krankheitserreger, z.B. Coronaviren, füllen die entstandene Lücke (2). Im Raum Bergamo wurden Ende 2019 Zeitungsberichten zufolge 100.000 Influenzaimpfungen durchgeführt. Ein Zufall? Möglicherweise. Aber jedenfalls einer, den man sich genauer anschauen sollte.

Corina meint, der Verweis auf andere Länder sei wenig zielführend, wenn man nur die Zahlen der Corona-Opfer betrachtet, ohne die jeweiligen Randbedingungen genau zu kennen. Ich gebe ihr da Recht und möchte ergänzen: Das galt für die Zeit des Lockdown, und es gilt jetzt wieder, wenn allenthalben die “zweite Welle” heraufbeschworen wird.


(1) https://covid19.healthdata.org/germany, abgerufen am 17.07.2020

(2) https://academic.oup.com/jid/article/216/4/415/3958807

7 Milliarden Menschen impfen – und dann wird alles gut?

Am 12. April gab Bill Gates den ARD-Tagesthemen ein denkwürdiges Interview. Diese knapp zehn Minuten…

…sind auf mehreren Ebenen interessant. Zum einen, weil man merkt, wie beseelt der Mann von dem Gedanken ist, mit seinen Milliarden der Menschheit etwas Gutes zu tun. Zum anderen, weil die ARD ein großes Interesse daran zu haben scheint, dieses Bestreben zu fördern. Als Außenstehender mag man sich denken: Ist das, was Bill Gates für etwas Gutes hält, denn auch richtig? Und umgekehrt: Ist das, was Bill Gates für richtig hält, auch wirklich gut? Insbesondere als Nutzer seiner Software – und das ist wohl jeder von uns – kann man diesbezüglich durchaus geteilter Meinung sein und würde sich als gebührenzahlender Fernsehzuschauer wünschen, dass der ARD-Interviewer dem ehemaligen Microsoft-Chef und dessen Enthusiasmus über seine selbstgewählte Berufung zum Impf-Papst mit einer gewissen Skepsis gegenüberträte.

Nicht so Ingo Zamparoni in den Tagesthemen. Der ARD-Journalist übt sich in freiwilliger Selbstbeschränkung und reduziert seine Rolle auf die des bloßen Stichwortgebers. Eine knapp formulierte Frage des Moderators, darauf folgt ein Monolog von Gates. Die nächste Frage – der nächste Monolog. Kritisches Hinterfragen? Fehlanzeige. Dabei hätte es mehr als einmal Anlass dazu gegeben – spätestens dann, wenn Gates davon spricht “wir” würden sieben Milliarden Menschen impfen: Wer ist “wir” – und warum so viele?

Es gibt verschiedene Ansätze, Impfstoff für die Massen herzustellen. Die Chinesen setzen dabei auf das bewährte Prinzip des im Labor angezüchteten Totimpfstoffs:

„Both China and SinoPharm have invested heavily in a tried-and-true technology — an “inactivated” vaccine made by growing the whole virus in a lab and then killing it, which is how polio shots are made. Leading Western competitors use newer, less proven technology to target the “spike” protein that coats the virus.“

https://apnews.com/93a7be6c6ac427e6211074ab9cfc9dbc

Problem: Die damit in absehbarer Zeit herstellbaren Mengen reichen niemals aus, um relativ kurzfristig Bill Gates‘ Plan zu erfüllen und sieben Milliarden Menschen durchzuimpfen. Der Wirkstoff muss dafür mit Adjuvanzien, also Wirkverstärkern, „gestreckt“ werden. Diese Zusatzstoffe stellen oft ein größeres Problem dar bezüglich der Verträglichkeit als der Wirkstoff selbst; im Fall der Schweinegrippe-Impfung werden europaweit mehr als achthundert Fälle von Narkolepsie mit dem damals verwendeten Wirkverstärker in Zusammenhang gebracht (1).

Wir dürfen wohl davon ausgehen, dass die aktuellen Tests noch ohne Adjuvanzien gefahren werden; man will sich ja das Ergebnis nicht vermasseln. Insbesondere die Chefetage von SinoPharm dürfte den puren Stoff bekommen. Diese Zweiklassengesellschaft kennen wir noch von der Schweinegrippe – sofern wir die Erinnerung daran nicht verdrängt und die damaligen Warner mundtot gemacht haben (2), (3).

Die deutschen Firmen Curevac und Biontech gehen mit der sogenannten „Messenger-RNA“ einen anderen Weg: Das zeit- und ressourcenintensive Anzüchten der Virenbestandteile wird einfach vom Biotechnik-Labor in den menschlichen Organismus verlagert. Dieser produziert nach Erhalt der mRNA die Virenbestandteile, die zur Antikörperproduktion anregen sollen, selbst, anstatt dass sie ihm von außen zugeführt werden:

mRNA steht für Messenger-RNA, zu Deutsch: Boten-Ribonukleinsäure. Sie hat in jedem Organismus die Aufgabe, Transkripte des genetischen Codes vom Zellkern zu den Ribosomen zu transportieren, die auf Basis dieser Daten dann ein bestimmtes Protein produzieren. Eine Impfung mit Messenger-RNA würde anders als ein herkömmlicher Impfstoff kein komplettes Antigen, sondern nur die Bauanleitung für Teile davon enthalten.

Im Falle des Coronavirus geht es um das Spike-Protein, das dem Erreger sein stacheliges Aussehen verleiht. Mit Hilfe von Nanopartikeln soll die synthetisierte RNA in den Körper geschleust werden, wo die Ribosomen ihre genetischen Informationen auslesen und daraufhin die Virenbausteine produzieren – gegen die das Immunsystem dann Antikörper entwickeln soll, die bei einer Infektion mit dem Virus dessen Ausbreitung verhindern

https://www.fr.de/wissen/corona-impfstoff-coronavirus-heilung-keine-eile-sicherheit-13762059.html

Der oben fett markierte Text macht den Unterschied aus zwischen mRNA-basierten Impfstoffen und traditionellen Methoden wie Lebend- oder Totimpfstoffen. Und natürlich besteht genau darin, nämlich in der „Umprogrammierung“ menschlicher Zellen zur Produktion von Virenbestandteilen, das Risiko dieses Verfahrens. Man muss kein Genie sein um auf die Idee zu kommen, dass solch ein Vorgang viel schwerer zu kontrollieren ist als die simple Verabreichung einer bestimmten Menge eines inaktiven Virus oder von dessen Bestandteilen, wie das bei der traditionellen Impfung der Fall ist.

Der viel pragmatischere Ansatz wäre natürlich, auf das Impfen aller – oder wie Jens Spahn kürzlich erst wieder gesagt hat: von zwei Drittel der Bevölkerung – zu verzichten und sich auf die Impfung der Risikogruppen und/oder derer, die mit diesen regelmäßigen Kontakt haben, zu konzentrieren. Man käme dann mit viel weniger Wirkstoff aus und könnte auf Adjuvanzien oder wenig erprobte Verfahren wie mRNA verzichten. Erstaunlich, dass diese Variante überhaupt nicht zur Diskussion zu stehen scheint.

Corina meint, sie brauche die Corona-Impfung nicht. Ich stimme ihr da zu: Wenn überhaupt ein funktionierendes Mittel gefunden wird, dann sollte das ohne riskante Bestandteile wie Adjuvanzien und mRNA auskommen und für diejenigen reserviert sein, die darauf dringend angewiesen sind. Wenn Bill Gates seine Milliarden darauf verwenden würde, sollte es mir recht sein.


(1) https://www.reuters.com/article/us-narcolepsy-vaccine-adjuvant-idUSBRE91708V20130208

(2) https://www.youtube.com/watch?v=0Rml0oXAmTc

(3) https://www.youtube.com/watch?v=gQAnb4F5Hxw

Deutschland sucht den Superspreader

Oder besser: man hat ihn gerade gefunden. Eine dieser Tage erschienene wissenschaftliche Studie über den Ausbruch bei Tönnies kommt zu dem Ergebnis, dass der dortige Ausbruch auf einen Arbeiter zurückzuführen sei, der seine Kollegen über eine Distanz von 8 m angesteckt haben soll (1). Wenn sich eine solches Narrativ in den Köpfen festsetzt, dann wird es nie wieder Gigs oder überhaupt irgendwelche Veranstaltungen in geschlossenen Räumen geben.

Wie eine eingehende Rückverfolgung des Übertragungsgeschehens bei Tönnies zeigt, hat wohl ein einziger Mitarbeiter in der Rinderzerlegung (Index-Patient B1, dessen Identität nicht bekanntgegeben wird) für die Verbreitung des Virus gesorgt. Das Virus wurde dann auf mehrere Personen im Umkreis von mehr als acht Metern im Betrieb übertragen.

https://www.heise.de/tp/features/Superspreader-bei-Toennies-identifiziert-4852400.html

Dabei ist einiges an der Studie höchst spekulativ, das gestehen auch die Autoren ein. Besonders interessant: Niemand scheint sich dafür zu interessieren, ob die Arbeiter wirklich krank geworden sind; in der Studie und auch in allen Berichten, die ich darüber gefunden habe, ist nur von positiven PCR-Tests die Rede. Der Wissenschaftsjournalist Ranga Jogeshwar („Wissen vor Acht“) hat dann auch schnell mal ein Erklärvideo zu der Sudie produziert, in dem er zwei der Autoren interviewt (2). Es ist ein Jammer: Auch er scheint sich nicht dafür zu interessieren, ob die Leute krank geworden sind. Schade, ich fand den mal ganz sympathisch.

Was ist das für eine Wissenschaft, die so unpräzise arbeitet, dass sie nicht zwischen “positiv auf SARS-CoV-2 getestet” und “an COVID-19 erkrankt” unterscheidet”?

Das müssen diese Wissenschaftler sich fragen lassen, auch von Laien wie mir. Eine Antwort aus der Schweiz kennen wir bereits.

Die elenden Wohnverhältnisse der Tönnies-Arbeitssklaven seien übrigens nicht an dem Ausbruch schuld, das ist auch ein Ergebnis der Studie. Der Fleischmafia dürfte das gefallen: Bessere Schutzmasken und vielleicht ein paar Filter in die Luftumwälzung, dann kann’s weitergehen wie bisher. Prost Mahlzeit!

Corina meint, man könne das Ganze auch positiv sehen: Wenn eine Infektion mit dem Corona-Virus unter den Arbeitern keine schweren Verläufe hervorgerufen hat – wovon auszugehen ist, denn auf Intensivstationen dahinsiechende Tönnies-Opfer wären bei der vorherrschenden Stimmung im Juni sicher ein gefundenes Fressen für die Medien gewsen -, dann kann das unmöglich ein fieses Killervirus sein. Ich denke, sie hat Recht, denn dies stützt auch unsere in den vorherigen Kapiteln gefundene Annahme einer Grund-, Kreuz- oder sonstwie gearteten Immunität. Aber erzähl das mal einem Karl Lauterbach oder Jens Spahn.

(2) https://www.youtube.com/watch?v=OdMUztDVZGE

Die Macht der Zahlen und Bilder

Sie sind allgegenwärtig: Die Bilder der meist in giftigen Farben daherkommenden Stachelkugel, die des „neuartigen Corona-Virus“ symbolisieren soll, und die Zahlen, die scheinbar dessen tödliche Infektiösität beweisen.

CDC / Alissa Eckert, MS; Dan Higgins, MAMS

Im digitalen Zeitalter haben Bilder eine historisch einmalige Macht. Wir verarbeiten sie automatisch und emotional, weniger kritisch als Worte, weil sie authentisch und repräsentativ erscheinen. Bilder prägen unsere Erinnerung und unsere Vorstellung von der Welt, sie beeinflussen Entscheidungen der Politik, und die Medien sind auf sie angewiesen.

Deshalb muss man in Zeiten der Pandemie aus dem Blickwinkel der kritischen Bildwissenschaft fragen: Wie repräsentieren wir eigentlich Gefahren und was machen die Bilder mit uns? In der Ikonografie von Corona kann man eine Evolution beobachten: Je näher die Pandemie an uns heranrückte, desto mehr gelangten die Bilder auch inhaltlich in unsere Lebenswelt und hatten Einfluss auf unser Verhalten. Das lässt sich in vier Phasen beschreiben.

Am Anfang war Corona zunächst einmal bilderlos und die Darstellungen inhaltlich weit von uns entfernt: fremdartig, medizinisch und abstrakt. Viele Medien griffen auf das bekannte Modell der stacheligen Kugel zurück, die stark an eine nelkengespickte Orange erinnert.

Diese Grafik entwarf Alissa Eckert für die US-amerikanische Seuchenschutzbehörde bereits im Januar. Die Illustratorin sollte eine „Identität“ für das Virus erschaffen, um die „Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit“ zu wecken.

Für ihren sogenannten „Beauty Shot“, die detaillierte Nahaufnahme des Virus, wählte sie lange, rote Stacheln mit einem dramatischen Schattenwurf. Im Vergleich dazu wirken die Mikroskopbilder von Corona unspektakulär, sie erinnern eher an Ingwerknollen.

Inzwischen ist Eckerts Modell nicht mehr aus den Nachrichten wegzudenken. Ein Grund für den Erfolg: Dank unserem kulturellen Gedächtnis wirkt das Modell bereits für sich genommen bedrohlich; wir denken unweigerlich an Seeminen oder Seeigel. Eckert geht so auf ein altes Problem ein: Unsichtbarkeit ist immer eine kognitive Herausforderung.

Neben der Virus-Darstellung finden sich in der ersten Phase medial vor allem Bilder von medizinischen Tabellen, Schutzanzügen und Masken. Trotz der Konkretisierung blieben sie eigenartig fremd, wie das ikonische Bild eines Mannes aus Wuhan mit Gasmaske und rotem Schutzanzug, das gleichzeitig auf dem Cover des „Spiegel“ und dem „Focus“ erschien. Der Untertitel „Made In China“ passte allerdings zum aufkommenden antiasiatischen Rassismus.

[…]

Den medialen und politischen Wendepunkt markierte der 19. März 2020, als im italienischen Bergamo Militär-Fahrzeuge im Konvoi unzählige Särge abtransportierten. In der Stadt gab es so viele Tote, dass das örtliche Krematorium überlastet war.

Diese Bilder blieben haften, denn sie machten das Leid der Pandemie schlagartig und schmerzhaft greifbar. Die Öffentlichkeit war emotional getroffen. Spätestens jetzt stand die „Stachelkugel“ für eine tödliche Bedrohung, die in Europa angekommen war. Seitdem breitete sich in vielen Ländern eine Ernsthaftigkeit aus, die von politischen Maßnahmen untermauert wurde.

https://www.welt.de/kultur/plus207880257/Bilder-einer-Pandemie-Ikonografie-der-Angst.html

Die Bilder wurden ergänzt von Zahlen: Insbesondere im März waren das schnell ansteigende Verläufe, die eine exponentiell ansteigende Verbreitung des Virus suggerierten – und allzu oft, auch von Seiten der Wissenschaft, genau so interpretiert wurden. Damit ließen sich dann für Länder wie Deutschland oder England jeweils Hunderttausende von Toten prognostizieren, wenn nichts unternommen würde, um „die Kurve abzuflachen („flatten the curve“).

Was in der Regel nicht dazugesagt wurde: Dass in der gleichen Zeit die Anzahl der Tests vervielfacht worden ist. Wer sucht, der findet – und trotzdem überschritt die Positivrate, also die Anzahl der positiv auf SARS-CoV-2 Getesteten in Relation zur Zahl der durchgeführten Tests, bei uns nie die 10-Prozent-Marke:

Tests und Positivrate, KW 10 bis 29

Seit drei Wochen liegen wir stabil bei 0,6 % (1). Und wenn die Fallzahlen jetzt möglicherweise wieder ansteigen sollten, dann muss man genau hinschauen, ob die Zahl der Tests ebenfalls gesteigert wurde – und deren Qualität aus Sparsamkeitsgründen (?) vielleicht sogar nachließ. Wer viel sucht, der findet viel: auf Coronaviren, die gerade in der Bevölkerung grassieren, trifft das ganz bestimmt zu. Und bei niedrigen Positivraten um 1% fallen auch falsch positive Tests ins Gewicht, selbst wenn diese nicht allzu häufig vorkommen sollten.

Vor etwa drei Wochen wurde die australische 5-Millionen-Stadt Melbourne in einen Lockdown geschickt. Anlass dafür war dieser Anstieg (2):

Australien: Anzahl der täglich positiv Getesteten

Sieht wirklich aus wie eine zweite Welle. Aber wie oft wurde getestet?

Australien und Deutschland: Anzahl der Tests pro tausend Einwohner

Offenbar sehr oft! Der Anstieg der Fallzahlen entspricht in etwa dem Anstieg der Tests. Das sieht man deutlich, wenn man beide in Relation zueinander setzt:

Australien und Deutschland: Positive Tests in Relation zur Gesamtzahl der Tests

Der Vergleich der Fälle relativ zu den Tests zeigt: Da ist nichts Dramatisches, Australien liegt auf einem Niveau mit Deutschland. Ob das einen Lockdown rechtfertigt? Jedenfalls stellt sich die Situation hier wesentlich weniger dramatisch dar als bei reiner Betrachtung der „Fälle“. Und auch hier gilt wieder: Nur ein Bruchteil ist wirklich krank…

Corina meint: Daran sollte man denken, wenn Professor Drosten demnächst die zweite Welle ausruft. Aber so lange müssen wir nicht warten, bei Karl Lauterbach ist es jetzt schon soweit…


(1) https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/2020-07-22-de.pdf?__blob=publicationFile

(2) https://ourworldindata.org/coronavirus

Epilog: So Far, So Good… So What!

Wer in der Überschrift den Albumtitel erkannt hat, der hat schon mal 80 von 100 möglichen Punkten. Die restlichen 20 Punkte bekommt, wer sich den Prozentsatz der leichten Verläufe bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 gemerkt hat.

Aktuell sieht es so aus, als wären die ursprünglich mal angenommenen 80 bis 90 Prozent dafür noch zu niedrig. Auf einem bayerischen Spargelhof, der im Juni „wegen Corona“ dichtgemacht wurde, gab es unter 95 positiv getesteten Erntehelfern gar keine schweren Fälle; nur zwei hatten leichte Symptome, alle anderen waren gesund. Ähnlich dürfte das auch unter den Erntehelfern in bayerischen Mamming aussehen, die vor ein paar Tagen auf ihrem Gemüsehof eingesperrt wurden, weil 170 von ihnen positiv getestet worden waren. Und den Fall Tönnies hatten wir im DSDS-Kapitel: Die „medizinische Wissenschaft“ interessierte sich hier offenbar nur dafür, wie weit das Virus fliegt, aber nicht, ob es jemanden krank gemacht hat.

Und auf Basis dieser halbgaren Informationen verordnet die Politik nun weiterhin Abstandsregeln, Maskenpflicht – und damit ein de facto Berufsverbot für praktisch die gesamte Musik- und Unterhaltungsbranche. Das darf so nicht weitergehen.

Für eine objektive Einschätzung der Lage braucht es gesicherte Informationen über das Geschehen. Einfach nur positive Tests zu zählen und diese als “Infizierte” zu deklarieren genügt nicht; man muss wissen, wie viele tatsächlich erkranken und ob deren Prozentsatz im Laufe der Zeit schon abgenommen hat (Aufbau von “Herdenimmunität”). Das Mindeste, was man von Politik, Medien und vor allem von der Wissenschaft erwarten – und auch lautstark einfordern! – sollte, ist Transparenz in diesem alles Weitere entscheidenden Punkt.

Dabei geht es mir nicht um Schuldzuweisungen bezüglich Vergangenem. Wenn führende Epidemiologen Hunderttausende von Toten prognostizieren, sofern keine Maßnahmen ergriffen würden dies zu verhindern, dann kann man sich dem als Politiker kaum entziehen und muss entsprechend handeln. Was man aber auch machen muss: die Richtigkeit dieser Prognosen immer wieder hinterfragen und die daraus abgeleiteten Maßnahmen auf den Prüfstand stellen.

Aber stattdessen beklagen Profiteure der Angst wie Söder oder Lauterbach wieder steigende Fallzahlen, ohne diese in Bezug zu irgendwas zu setzen – weder in Bezug zu tatsächlich Erkrankten, über deren Zahl man nichts erfährt, noch in Bezug zur Zahl der Tests, die aktuell so hoch ist wie nie. In Wahrheit liegt die Relation positiv Getesteter zur Zahl der durchgeführten Tests Stand heute (31.07.2020) seit fünf Wochen deutlich unter 1 Prozent.

Auf den Prüfstand gehören auch Aussagen wie „Die Maske ist ein Zeichen der Solidarität“. Solidarität – gegenüber wem? Einem Gesundheitsminister und früherem Pharma-Lobbyisten (2), der seit März auf der Basis einer Notverordnung regiert, auch wenn die Not längst vorbei ist? Was bringt wohl mehr: Generalverdacht und Maskenpflicht für alle oder das Tragen von Masken genau dann, wenn man tatsächlich erkrankt ist und die Maske ein deutlich sichtbares Zeichen dafür?

Wenn sich Reisende in einem Zugabteil solidarisch darüber verständigen, dass es allen Anwesenden gut geht, und diese sich dann darauf einigen, die lästigen Masken für den Verlauf der Fahrt abzunehmen, sollte das niemanden stören – den Gesundheitsminister nicht und auch nicht das Zugpersonal. Rückkehr zur Normalität, ganz ohne Impfstoff! Die Gesellschaft wird sich überlegen müssen, ob diese Normalität auch in anderen Bereichen wieder herstellbar ist – oder ob sie ein vermeintlich virenfreies Leben höher gewichtet als beispielsweise Kultur und Konzerte.


(1) https://www.merkur.de/bayern/coronavirus-bayern-lockerungen-markus-soeder-infektion-maskenpflicht-faelle-news-zr-13792398.amp.html

(2) https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/parteien/id_83295652/kuenftiger-minister-jens-spahn-verdiente-an-lobbyarbeit.html